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February 24, 2014


Romantik satt und ein neuer Star am Flügel


by Konrad Dittrich

Romantik satt und ein neuer Star am Flügel

NDR-Sinfoniker mit dem Pianisten Christopher Park. 

24.02.2014 

Lübeck. Sinfonische Dichtungen — dazu gehören Komponisten und Dichter. 
Beim jüngsten Konzert des NDR-Sinfonieorchesters in der Lübecker Musik- 
und Kongresshalle hießen die Komponisten Tschaikowsky, Schubert und 
Liszt, die Dichter Shakespeare, Byron und — wer hätte es gedacht? — 
Georg Philipp Schmidt aus Lübeck. Am Pult stand Christoph Eschenbach. 
Mitgebracht hatte er seine Entdeckung, den 26 Jahre jungen Pianisten 
Christopher Park. 

Selten aufgeführte Werke hatte der Maestro aufs Programm gesetzt, zuerst 
Peter Tschaikowskys Ouvertüre zu „Hamlet“. Wer die Fantasie einsetzte, 
konnte sich in die Welt des Dänenprinzen hineindenken. 

Eschenbach betonte nicht so sehr den Zauderer und Grübler, sondern einen 
gefühlsmäßig auftrumpfenden Revoluzzer; eine ungewöhnliche Hamlet- 
Sicht. 

Gespannt wartete das Publikum auf Christopher Park und Franz Schuberts 
Fantasie opus 15, die ihren Titel vom Gedicht „Der Wanderer“ des Lübecker 
Gelegenheitspoeten Schmidt nimmt. Franz Liszt erkannte die sinfonische 
Dichte des Klaviersatzes und fügte das Orchester hinzu. Christopher Park 
gestaltete den Solopart ohne Allüren, mit sehr viel Gefühl, malte manche 
Passagen mit leichten, lichten Farben aus. Unglaublich sensibel sein 
Anschlag im piano. Bei den kadenzartigen Solostellen hielten selbst 
Erkältete den Atem an und warteten mit ihrem Husten-Einsatz. Dass der 
junge Bamberger mit koreanischen Wurzeln auch Pranke zeigen kann, 
bewies er mit der Zugabe, der Liszt-Bearbeitung von Schuberts „Erlkönig“ mit 
ihren rollenden Bässen. Das Publikum kann den neuen Star am 
Pianistenhimmel im Juli wieder erleben, bei der Überreichung des Bernstein- 
Awards im Rahmen des Musikfestivals. 

In der zweiten Konzerthälfte erklang noch einmal Tschaikowsky, die Manfred- 
Sinfonie nach einem Versdrama von Lord Byron. Eschenbach lotete die 
längste Sinfonie des Russen mit Gespür für Wirkung aus. 

Manfred, der Sünder, irrt auf der Suche nach Erlösung durch die Alpen. 
Eschenbach bändigte die Klangfluten des Orchesters. Dramatische 
Zuspitzungen rissen das Publikum mit. Das Erscheinen der Alpenfee im 
zweiten Satz wurde in feiner Zeichnung ausgekostet. 
In der Orgie des Finales kamen die Fugeneinsätze mit Wucht, 
dabei punktgenau. 
Stürmischer 
Beifall nach zwei Stunden und 40 Minuten. 

Konrad Dittrich 

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